Trost, Glaube und die leise Kraft, die mich getragen hat
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Wenn man das Wort „Trost“ googelt, landet man erstaunlich oft bei christlichen Medien. Lange habe ich mich gefragt, warum das so ist. Heute glaube ich: weil Trost im Glauben nicht nur ein schöner Begriff ist sondern eine Haltung. Ein „Ich bleibe da“, wenn es dunkel wird. Kein Wegmachen von Schmerz. Kein „Wird schon wieder“. Sondern: Du musst da nicht allein durch.
Ich bin nicht besondern christlich erzogen. Aber ich war schon früh fasziniert von dieser Welt, die für mich ein Rettungsanker sein könnte. Und mein Glaube war für mich nie nur Tradition oder Feiertag. Er wurde in meinem Leben irgendwann zu einer Rettungsleine.
Als ich in der Schule allmählich meine Sprache verlor
In der Schule hatte ich schwere Zeiten. Ich fühlte mich ungeliebt. Es gab Lehrer*innen, die es mir eher schwer als leichter gemacht haben. Und weil ich Sprechängste hatte, verlor ich nach und nach meine Sprache und irgendwann auch den Glauben daran, dass es gerecht und mitfühlend zugeht.
Ich fühlte mich allein gelassen. Nicht nur von Menschen, sondern auch von dieser Idee, dass jemand schon sieht, was da passiert. Dass jemand mir eine Hand reicht.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Trost beginnt: wenn man merkt, dass man ihn so dringend braucht.
Die Angst, nie wieder glücklich zu werden
Später, nach dem Abitur, war ich in einer toxischen Beziehung. Und ich hatte oft Angst, nie wieder glücklich zu werden. Diese Angst war nicht laut. Sie war eher wie ein Nebel, der sich auf alles legt: auf Gedanken, auf den Körper, auf die Zukunft.
In solchen Momenten habe ich gebetet. Ganz schlicht. Manchmal lag ich im Bett und habe nur gebetet, dass von irgendwoher Hilfe kommt. Dass mein Leben irgendwann frei wird von Angst, von dieser Hoffnungslosigkeit. Damals konnte ich noch nicht sehen, dass mein Weg einmal ganz anders aussehen würde.
Ich konnte nicht ahnen, dass ich irgendwann auf einer Bühne stehen würde. Dass ich Menschen trösten darf. Und dass Menschen Kraft aus mir ziehen können.
Eine Gemeinde, die nicht fordert – sondern trägt
In Solingen habe ich in der Dorper Kirche eine Gemeinde gefunden, die für mich etwas Entscheidendes verkörpert: Du darfst sein, wie du bist.
Du darfst alles mitbringen in diesen Kirchenraum:
das Schwere, das Dunkle, das Unfertige.
Nicht erst „besser werden“, nicht erst „funktionieren“. Sondern kommen – genauso.
Besonders Pfarrer Römelt hat mich tief beeindruckt. Ich erinnere mich an eine Rede, die er hielt, als ein Freund von ihm selbst verstorben war. Das war keine glatte, perfekte Predigt. Es war eine flammende, menschliche Rede. Er zeigte, dass auch er hadert. Dass auch er zögert. Dass auch er trauert.
Und genau das hat Kirche für mich menschlich gemacht.
Denn Trost hat oft weniger mit Antworten zu tun und mehr mit Ehrlichkeit. Mit dem Mut, das Leben nicht schönzureden. Und trotzdem verbunden zu bleiben.
Trost hat viel mit Gemeinschaft zu tun
Ich glaube heute: Eine gute Gemeinde kann unglaublich viel erreichen. Nicht, weil sie alles „löst“. Sondern weil sie Menschen trägt.
Trost ist nicht nur ein Satz. Trost ist ein Raum. Eine Gemeinschaft. Ein „Wir halten dich mit, bis du wieder selber stehen kannst.“
Und das ist etwas, was ich in meiner Arbeit als Trauersängerin immer wieder erlebe: In der Trauer sind Menschen oft wie entwurzelt. Sie brauchen nicht unbedingt Erklärungen. Sie brauchen einen Ort, an dem sie nicht alleine sind.
Glaube ist für mich nicht nur Kirche
Und gleichzeitig: Mein Glaube ist nicht zwingend an Kirche gebunden. Glaube kann auch etwas sehr Persönliches sein. Eine Beziehung. Eine leise Verbindung. Ein Gespräch im Dunkeln. Ein „Bitte hilf mir“, wenn es keine anderen Worte mehr gibt. Dieses Gebet habe ich oft in den Himmel geschickt.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum „Trost“ so oft in christlichen Kontexten auftaucht: weil der Glaube diesen besonderen Satz in sich trägt, den ich selbst in schweren Zeiten gebraucht habe:
Du bist nicht allein.
Und was das mit dem Trost-Tiger und meinem Buch zu tun hat
Aus meiner eigenen Geschichte ist irgendwann etwas entstanden, das heute viele Menschen kennen: der Trost-Tiger. Ein Symbol für Nähe, Wärme und das Gefühl: „Ich bleibe bei dir.“
Und genau deshalb habe ich das Buch „Ich tröste dich“ geschrieben: weil ich möchte, dass Eltern, Kinder und Familien Worte, Rituale und kleine Anker finden – für Zeiten, in denen man Trost und Empathie so dringend braucht.
Trost ist für mich heute nicht nur ein Thema. Trost ist ein Weg. Und manchmal beginnt er so klein wie ein Gebet im Bett. Oder so groß wie eine Gemeinschaft, die sagt:
Komm so wie du bist.